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Warum wollen Menschen ihre alten Klassenkameraden wiederfinden?

Je älter ich werde, desto länger liegt auch meine Schulzeit zurück. Im Klartext bedeutet das: Irgendjemand kam auf die Idee ein Klassentreffen zu organisieren. Es war etwas dubios organisiert. Aber nicht nur deshalb habe ich nicht daran teilgenommen, sondern weil ich es nicht so ganz verstehe. Mehr dazu im folgenden Text.

 

Photo by Feliphe Schiarolli on Unsplash

 

Vor ein paar Jahren war es sehr IN, über bestimmte Plattformen seine Klassenkamerad_innen zu finden. Gut, es gab dafür bestimmte online Dienste und diese haben auch nicht wenig in Werbung und Marketing investiert. Trotzdem hat das sehr viele angesprochen. Warum?

 

Meine erste Intuition ist hier Sex. Ich möchte das jetzt nicht weiter ausführen, aber ihr könnt euch das sicherlich vorstellen: „Damals mochte ich XY, mal schauen was sie oder er jetzt so macht. Wenn ich doch damals nur mutiger gewesen wäre … “ Aber ich glaube da steckt auch noch etwas mehr dahinter. Es muss ein tiefes Bedürfnis ansprechen. Das macht es für mich nicht unbedingt leichter, weil nun muss ich da selbst nachrecherchieren.

 

Ich habe mich jetzt durch mehrere halbseidene Blogs gewühlt. Es geht tatsächlich nur um diese eine Geschichte. Status teilen, hoffen besser zu sein und in uralten Anekdoten zu schwelgen. Kann man sicherlich mal machen. Reizt mich aber ganz wenig. Also gar nicht. Ich möchte jetzt mein Sozialleben als sehr austariert darstellen und allen Leser_innen hier mitteilen, dass ich mit allen Menschen aus der Schule noch Kontakt halte, mit denen ich das auch möchte. Deshalb habe ich ja keinen Anreiz da mitzumachen. Außerdem war ich nie verliebt während meiner Schulzeit.

 

Jetzt habe ich wieder etwas den Faden verloren. Ich glaube es geht mir um die Lautstärke. Viele Menschen sind laut und grob. Solche finde ich zwangsläufig auf einem Klassentreffen wieder. Die Zeit ist begrenzt: Einen Tag, eine Nacht. Man muss also in kürzester Zeit so viel raushauen wie nur geht: „Da war ich kurz mal im Fernsehen“, „Ja, den Master habe ich in Rekordzeit absolviert“ und „Ich habe schon sehr früh Apple-Aktien gekauft“. Wenn man seine 15 Minuten Ruhm noch nicht gefunden hat, muss man Abstriche machen. Vielleicht sind dann 30 Minuten Ruhm beim Klassentreffen ein Ersatz? Das soziale Methadon?

 

Deshalb möchte ich meine Klassenkamerad_innen nie mehr fnden. Ich habe zum Finden „Nein“ gesagt. Ich will kein Methadon.

Gherdì

Ich bin Gherdi und berichte hier über mein bewegtes Leben. Außerdem esse ich gerne Pommes.

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