0

The Simple Life – eine unterbewertete Serie

Reality-TV war die leichteste Form der Unterhaltung, die man beim Fernsehen finden konnte. Es war einfach zu produzieren und garantiere recht okaye bis gute Einschaltquoten. Mein Favorit war die Sendung von Paris Hilton und Nicole Richie aus dem Jahre 2003. 

 

Reality-TV im Allgemeinen und die hier abgebildete Gesellschaft im Speziellen zeugen nicht von den größten Errungenschaften der Menscheit. Das sollte klar sein.

 

Ich habe dennoch eine kindheitliche Faszination für The Simple Life: Das lässt sich darauf zurückführen, dass ich das als Kind nie schauen durfte. Es kam zu spät abends. In der Pro.7 Werbung  wurde ich also jahrelang geteasert, bis ich es jetzt auch anschauen kann. Ja, ich habe mir die DVD (Provisionslink) gekauft! Ich habe einfach eine Schwäche für suspekte Dinge.

 

Der Plot ist denkbar einfach gehalten. Muss es ja auch, bei einfacher Unterhaltung. Die beiden Millionärstöchter tauschen für eine bestimmte Zeit ihr aufregendes Partyleben mit dem einer ehrlich arbeitenden Familie auf dem Land. Konfliktpotenzial ahoi und Kulturschocks mitinbegriffen. Leider wurde mir dies alles als Kind verwehrt.

 

In der Vorschau wurde immer gezeigt, wie Paris Hilton mit Dorftrotteln rumknutschte. Mir hat das sehr gefallen, den ich mochte damals Paris Hilton und war selbst in einem sehr unsicheren Alter und nun ja … Als ich es aber vor kurzem endlich in voller Länge schauen konnte, fand ich es aber nicht mehr so aufregend. Es ist echt erstaunlich, wie sich im Laufe der Zeit die Interessen so ändern. Dafür habe ich bei The Simple Life nun aber so ganz andere Sachen interessant gefunden.

 

Die Fakes! Heute sind wir alle echt subtilere Ansätze gewöhnt. Das Szenario: Paris und Nici müssen für einen Wettbewerb Kuchen backen. Die Kameras waren kurz weg und just haben sich die Hunde darauf gestürzt. Natürlich tragisch, aber auch zu berechenbar. Das würde heute niemand mehr schlucken und wäre ein Dauerthema auf YouTube. Der Standard hat sich selbst im Trash-TV gehoben. Eine wichtige Lektion, welche uns diese Serie beispiellos vor Augen führt.

 

Ansonsten war The Simple Life auch in vielen Belangen super! Endlich hatte man ein stilles Portrait des amerikanischen Landlebens irgendwo im mittleren Westen. Unvergessliche Einblicke in erschreckend einfache Weltbilder und den weichen Problemen der industriellen Viehhaltung. Wenn man wollte, konnte man also seinen sozialkritischen Ansatz heraussuchen. Und das wochentags nach 22h. Phantastisch!

 

Die 2000er hatten ihre eigene Ästhetik. Die Farbe rosa war angesagt, die Thematik Umweltschutz kurz beiseite geschoben und ‚Ed Hardy‘. Zeitreisen faszinieren mich und die amerikanischen Reality-Shows dieser Zeit teleportieren mich dahin zurück, wo ich noch ganz, ganz unsicher war.

 

Was will ich jetzt eigentlich sagen? Nun, ich bin absolut kein Fan vom „einfachen Leben“. Die Sehnsucht wohnt aber in uns allen. Verzogene Gören im Kuhstall zu beobachten ist unschuldig und sexuel zugleich. Eine „Werteunion“ die irgendwie nicht so mit der gesellschaftlichen Wandlung klarkommt, ist politisch. Der Wiederaufbau und das Crafting nach einer Zombie-Apokalypse in Serien, Filmen und Survival-Games ist Popkultur.

Gherdì

Ich bin Gherdi und berichte hier über mein bewegtes Leben. Außerdem esse ich gerne Pommes.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.