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Tägliche Boni nerven

Es wird mal wieder Zeit Dinge aus der Digitalisierung anzusprechen, die mir einfach nicht gefallen. Ich hasse sie sogar. Ich habe dafür keinen besseren Begriff gefunden, deshalb nenne ich das jetzt einfach „sich-täglich-einloggen-um-Boni-zu-kassieren“. Mehr dazu im folgenden Text. 

 

Wir Menschen sind recht einfache Wesen. Wer mir nicht glaubt, kann sich gerne das Suchtmittel seiner Wahl (kann auch nur Schokolade sein) servierfertig vor sich legen und die Zeit stoppen, wie lange wir uns zurückhalten konnten. Im Normalfall wird die gemessene Zeitspanne sehr gering sein. Für uns bedeutet nun einmal der Konsum von dergleichen ein Glücksgefühl. Jetzt sind wir auch genau da angelangt, wo ich hinauswollte: Glück! Spielen wir ein Spiel, gibt uns das oft ein Erfolgserlebnis das entsprechende Glück. Ein Bonus hilft uns dabei, ein Erfolgserlebnis in einem Spiel zu generieren. In kurz:

 

Spiel + Gewinnen = Glück.

Spiel + Verlieren = kein Glück.

Spiel + Bonus = Gewinnen = Glück.

 

 

Mit einem Bonus steigert sich die Wahrscheinlichkeit ein Spiel zu gewinnen. Entwickler_innen von Apps und Co wissen das und im großen und ganzen ist das auch keine große Neuigkeit. Nir Eyal hat das mit seinem Buch Hooked (Provisionslink) schon sehr gut auf den Punkt gebracht. Wir sollen möglichst viel Zeit mit den Apps verbringen, weshalb man da tief in die psychologische Trickkiste gegriffen hat. Aus allem wird ein Spiel gemacht, Stichwort Gamification. Du willst eine neue Sprache lernen? Vergleiche dich mit anderen Lernenden auf einem Leaderboard. Du willst mehr Sport treiben? Schaffe die 30-Tage-Challange! Du willst deine eigene Stadt/Dorf/Burg managen und dich gegen andere User behaupten? Gut, das ist schon selbsterklärend.

 

Wir bewegen uns deshalb gerne in diesen Apps. Es ist ja auch ein Spiel. Daran ist nichts verkehrt, es steht da auch allen frei mitzumachen oder es einfach zu lassen. Wenn wir aber einmal am Haken sind, gibt es kaum noch ein Entrinnen. All die oben genannten Beispiele haben eine Gemeinsamkeit: Boni sammeln durch tägliches einloggen. Klingt natürlich einfach, weil ein Tag hat ganze 24 Stunden und irgendwie so zwischendurch finden wir ja immer Zeit und wenn wir uns an sieben Tagen der Woche eingeloggt haben, bekommen wir einen Bonus. Unsere Burg verteidigt sich dann besser, ich steige auf dem Leaderboard auf und in meiner Sport-App kann ich dafür nächste Woche auf die ganz anstrengende Übung verzichten. Klingt noch relativ harmlos, ich hasse es aber mittlerweile. Warum?

 

 

1. Es macht uns zu Robotern:

Einfach jeden Tag das gleiche immer und wieder machen. Wir werden zum Klickvieh erzogen und in den 20 Minuten Bahn zur Arbeit ist der Griff zum Handy und zur speziellen App schon vorprogrammiert. Ganz große Klasse!

 

2. Nein sagen ist auch wichtig:

Wir können nicht jeden Tag performen. Manchmal ist man krank oder manchmal war die Nacht zuvor etwas zu aufregend. Selbstbestimmt NEIN zu sagen ist mitunter auch gesund.

 

3. Apps haben keine große Meinung mehr von uns:

Vielleicht lacht man uns auch irgendwo einfach aus, weil wir das alles mit uns mitmachen lassen. Wir organisieren unseren kompletten Alltag, unsere komplette Lebensweise um, nur für irgendwelche virtuellen Mikro-Boni. Ganz toll Menschheit!

 

4. Wie wird das in der Zukunft aussehen?

Ähm ja, irgendwann werden die Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine etwas organischer und etwas mehr mit unseren Körpern zu tun haben. Müssen wir dann jede Stunde sogar klicken, um die Boni-Sucht zu befriedigen?

 

Ich hoffe wir können uns irgendwann einmal von dieser schlimmen Abhängigkeit loseisen. Bitte glaubt jetzt aber auch nicht, dass bei mir das nicht wirkt. Ihr könnt mich gerne bei Pokémon Go adden.

Gherdì

Ich bin Gherdi und berichte hier über mein bewegtes Leben. Außerdem esse ich gerne Pommes.

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