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Spätabends Zug zu fahren ist phänomenal

Die Weltraumschnecke reist aufgrund von Verpflichtungen, zwischenmenschlichen Beziehungen und avantgardistischen Hobbys sehr häufig und meistens dabei durch die Bundesrepublik. Welches Transportmittel der Favorit hierzu ist, wechselt wöchentlich und lässt sich nicht zweifelsfrei klären. Zweifelsfrei klären lässt sich aber, dass es sehr beruhigend und entspannend ist, nachts mit dem Zug zu fahren. Doch warum?

 

 

 

Jedes Transportmittel hat seinen Vor- und Nachteil: Fernbus –> günstig/braucht ewig; Bahn–> flexibel/teuer; Flugzeig –> schnell/unflexibel. Was nun hier für immer und ewig am beste ist, soll lieber in einem anderen Artikel geklärt werden. Betritt man hingegen abends einen Zug, so öffnet sich eine andere, magische Welt.

 

Die Waggons sind leerer. Das ist auch logisch, weil die Pendler nicht mehr on Tour sind. Manchmal sind die Waggons auch fast leer. Dann fahren nur noch Personen, denen es nicht allzu viel ausmacht, erst gegen Mitternacht ihre Stadt zu erreichen. Man erlebt ein fast schon vergessenes Privileg des Fernverkehrs: Platz!

 

Wie man auf dem Foto eventuell erkennen kann, habe ich dort einen IC der älteren Generation mit vielen kleinen Abteilen erwischt. Dieser gesamte Zug wirkte komplett aus der Zeit gefallen. Selbst das ominöse gratis Magazin der Bahn, welches den einfallslosen Namen „mobil“ trägt, hatte an diesem Tag eine Retro-Aufmachung. Das gefiel alles so sehr, dass man sich komplett in andere Zeiten hineinversetzen konnte. Ich lese eine Reihe an Magazinen und für solche Augenblicke hebe ich mir manche dieser Artikel auf, welche sich vorrangig mit vergangenen Jahrzehnten beschäftigen. Auch wenn ich hier keine belegbaren Fakten vorlegen kann: Nachts fahren diese Zeitkapsel-Züge gefühlt viel öfters.

 

Wenn es dann dunkel ist, weiß man nicht mehr so genau wo man gerade ist. Das ist einfach sehr beruhigend. Man ist sich sehr sicher, dass man ankommen wird. Das sonst so zum zerreißen gespannte Verhältnis zur deutschen Bahn wird komplett umgedreht und man hat absolutes Vertrauen. Man kommt sich auch sehr vertraulich vor. Draußen ist nur absolute Stille und Dunkelheit zu vernehmen. Mittlerweile sind auch die meisten anderen Fahrgäste ausgestiegen, so dass man mittlerweile komplett alleine in seinem Abteil ist.

 

Man kann jetzt sehr gut einschlafen. Aber vielleicht erinnert man sich auch wieder an die Getränke, welche man im Umstiegsbahnhof zuvor erworben hat. Man kann mit der Ausrede „am Bahnhof war die Flasche Bier nur geringfügig teurer als das Wasser und deshalb…“ sehr gut leben. Während man seine Flasche leert, kommen ganz lustige Ideen, die aber alle am nächsten Tag nicht mehr so verwegen wirken. Vielleicht sind diese Ideen dann wirklich Schrott, oder die eigene Routine sträubt sich einfach zu sehr dagegen. Das kann man dann auch nie wirklich sagen.

 

Am Ende erreicht man seinen Zielbahnhof. Ob man 10 Minuten zu früh oder zu spät angekommen ist, interessiert dann gar nicht. Man will jetzt einfach so nach Hause kommen. Draußen ist es etwas kälter als im Zug und das nervt etwas. Dieses Gefühl wird auf die Bahnfahrt geschoben und man schwört sich, das nächste mal etwas früher zu fahren.

Gherdì

Ich bin Gherdi und berichte hier über mein bewegtes Leben. Außerdem esse ich gerne Pommes.

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