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Sind Weihnachtsmärkte überhaupt Kultur?

Das ist wieder so eine Überschrift, wo die Antwort klar leuchtend dir ins Auge springt: Natürlich nicht! Aber warum genau werde ich im Folgenden erörtern. Oder auch nicht. In wenigen Stunden beginnt die Weihnachtszeit und ich muss dazu unbedingt etwas ins Internet ballern!

 

Photo by Dyana Wing So on Unsplash

 

Ich habe keine Lust darauf, den dutzenden ächzenden Kommentar über Glühweinkonsum zu schreiben. Es ist mir absolut rille, ob ihr euch das Zeugs mit oder ohne Amaretto reinzieht. Stattdessen möchte ich den Fokus auf den kulturellen Aspekt von Weihnachtsmärkten lenken. Hätte ich irgendwas mit Kultur oder so studiert, würde ich jetzt mit einer etwas provokanten Definition von Kultur anfangen und dann schrittweise Herausarbeiten, inwiefern Weihnachtsmärkte in dieses Schema eben nicht passen. Aber ich habe sowas nicht studiert.

 

Was mich einfach stört, wenn mir etwas im Weg steht. Egal ob es sinnbildlich für ein behördliches Schreiben –  was mir versucht das Leben schwer zu machen – steht, oder eben ob mir tatsächlich eine Person im Weg steht, sprich ich an einer Schlange anstehen muss. In dieser Hinsicht sind Weihnachtsmärkte einfach furchtbar. An jedem Stand stehen Menschen, viele Menschen, weil der gemeinsame Nenner aus Essen & Trinken nun einmal auch im 21. Jh. noch zieht. Selbst wenn man die Schlange hinter sich gelassen hat, ist der Platz rar. Mit Mühe kann man sich noch einen nicht ganz so gemütlichen Platz an einem Stehtisch erschleichen. Da waren wir kulturell echt schon mal weiter und haben uns für das Essen Zeit & Raum gelassen und uns versucht dabei wohl zu fühlen und es zu einem besonderen Ritual zu machen. Hier sind Weihnachtsmärkte ein Rückschritt.

 

Dann gibt es noch Unterhaltung & Konsum. Man findet auf Weihnachtsmärkten beides. Ich kenne aber keine Person, die ernsthaft Sachen auf dem Weihnachtsmarkt einkauft. Dort gibt es auch nur so Sachen, die man auch absolut nicht braucht. Kerzen aus Bienenwachs. Jesuskrippen. Sterne. Es ist zwar eine kulturelle Aneignung des Menschen, dass wir Kunst formen können und daher Gebilde produzieren, die nicht zwangsläufig für unser Überleben entscheidend sind. Dennoch fallen die Sachen dort echt vollkommen aus dem Raster. Weder ist es Kunst, noch will das wirklich jemand haben. Die Sachen sind fast genau so suspekt, wie die dargebotene Unterhaltung. Stumpfe Musik aus noch stumpferen Lautsprechern mit den stumpfsten Texten. Hurra, es lebe die Weihnachtszeit. Die Menschen sehnen sich zwischen den besungenen Schneeflocken trotzdem nach dem Sommer.

 

Weihnachtsmärkte sind auch hervorragend darin, die Städte zu verstopfen. Hier war mal ein Platz, jetzt ist hier ein Weihnachtsmarkt und kein Platz. Du willst schnell mal durch? Nein, du musst jetzt durch das Gedränge. Du magst es nicht, wenn dir in der Innenstadt alle auf die Pelle rücken? Tut mir Leid, der Dezember wird hart für dich! Versuchen wir sonst alles möglichst aufgeräumt erscheinen zu lassen, wird das jetzt einfach ignoriert. Effizienz & Effektivität bestimmen sonst unsere Leistungen, jetzt wird das absichtlich zurückgefahren. Chaos in die Innenstadt, Gedränge in dein Herz! Temporäre Stände aufzubauen ist das komplette Gegenteil von bedarfsgerechten Innenstädten, die nach einer positiven Umweltbilanz lechzen. Ein enormer Aufwand wird für absolut nichts gefahren. Städteplanner*innen haben nur in 11 Monaten des Jahres etwas zu sagen. Fortschritt Adieu, Kultur Adieu.

 

Ich habe keine Lust meine drei Punkte jetzt noch zusammenzufassen. Ich habe so etwas nämlich nie studiert.

Gherdì

Ich bin Gherdi und berichte hier über mein bewegtes Leben. Außerdem esse ich gerne Pommes.

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