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Es gibt nichts Traurigeres als ein Pubquiz

Gestern hat die Weltraumschnecke eher unabsichtlich bei einem Pubquiz mitgemacht. Natürlich habe ich da nicht wirklich erfolgreich abgeschnitten und deshalb verfasse ich nun ein Pamphlet dazu. Ich kann nämlich sehr gut mit Niederlagen umgehen. Pubquizes sind diese moderierten Quiz-Runden in sog. Pubs, um die Kundschaft länger im Laden zu halten und zu mehr Konsum anzuregen. Ich denke ihr wisst da aber Bescheid.

 

 

„Hurra! Da können wir am Ende sogar etwas zu Trinken gewinnen!“ So, oder so ähnlich flimmert es bei jungen Studierenden nachmittags in den üblichen Whatsapp-Gruppen zur Abendplanung auf dem Smartphone. Einhergehend damit beginnt der traurige Abend namens „Pubquiz“.

 

Fängt ein Pubquiz an, so gibt es die Veteranen und die Neulinge. Erstere nehmen das alles mittlerweile viel zu ernst und kaschieren ihren unbedingten Siegeswillen mit lustigen Sprüchen, die dann brav bei der Nennung des eigenen Gruppennamen im Chor aufgesagt werden. Funfact: Diese Sprüche fangen schon beim zweiten Mal an zu nerven. Neulinge wählen irgendeinen Namen, der irgendwas mit ihrem Studiengang und einem Monty Python Zitat zu tun hat. Dann schauen sie sich feixend vor Vorfreude um, um eine Show  – oder – wenigstens mal was anderes als Netflix zu sehen.

 

Das Quiz beginnt. Die Fragen sind manchmal dumm, manchmal gewitzt. Wer einen 7km langen Fluss in Nordamerika richtig errät, kann sich dann auch in seiner Gruppe als „Typ mit unfassbar viel Allgemeinwissen“ feiern lassen. Ich gönne den anderen diesen „Triumph“ wirklich und bin auch nicht gekränkt den Schachgroßmeister aus den 60ern nicht zu kennen. Ich muss da auch klar feststellen: Die Fragen sind wirklich noch das erträglichste bei einem Pubquiz.

 

Was stört mich dann? Die Organisation. Aus der seichten Unterhaltung irgendwelche Fragen zu beantworten wird ein riesen Aufwand gemacht. Zettel einreichen, warten, Antworten hören, Gegröhle, Diskussionen, Durchsage des aktuellen Punktestandes, Phrasen wie „Wir stehen ganz gut da“ oder „Noch können wir gewinnen, wenn wir den Joker gut einsetzen“. Das passiert nicht nur einmal, sondern 5 mal direkt nacheinander. Es geht um einen 15€ Saufgutschein und manche steigern sich da noch mehr als bei ihrem Kommunionvorbereitungskurs rein. Ab Runde zwei wird mir das zunehemend suspekt, es fühlt sich nach Arbeit an und ich muss ewig auf mein Bier warten.

 

Die Tischgruppe nebenan wird zum Feind. Belauscht Sie uns etwa? Nutzt sie etwa unerlaubt ihr Smartphone um die Antworten zu ergooglen? Warum trinken sie so viel Bier? Solche Fragen stelle ich mir nicht, aber eine dieser Veteranengruppe neben uns. Ich werde dauernd von ihnen beobachtet und kann sie jetzt auch nicht mehr leiden. Wahrscheinlich kennen die sich schon viel zu lang, aber die wage Hoffnung über das Festival vom Sommer angesprochen zu werden rechtfertigt den Einsatz des viel zu großen Festival/Band-Shirts. Zunehmend werde ich missmutiger. Mir ist es inzwischen vollkommen Schnuppe welcher Muskel im menschlichen Körper der Größte ist und phantasiere lieber wer in der Nachbarsgruppe auf wen und – viel wichtiger – auf wen nicht stehen könnte. Noch nie war ich beim dritten Bier so genervt.

 

Die letzte Runde ist um und irgendwer jubelt. Drei Stunden anstrengende Quizarbeit haben einen 15€ Quizgutschein ergeben. Ich gönne es ihnen. Der Nachbarstisch steht sofort auf, zahlt seine zwei Bier pro Nase und verlässt den Laden. Man hat sich schließlich zum Pubquiz und nicht zum Biertrinken verabredet. Das mit dem mehr Umsatz für die Kneipe, muss ich nochmals genauer untersuchen. Die Whatsapp-Gruppe der jungen Studierenden erwacht morgen früh wieder zum Leben: „Geiler Abend gestern! Hat zwar nicht ganz zum Sieg gereicht. Aber Timo gestern mit der Fischfrage 😀 sitze jetzt in der XY-Vorlesung und habe noch ein bisschen Kater 😀 😀 😀 bis zum nächsten mal“

Gherdì

Ich bin Gherdi und berichte hier über mein bewegtes Leben. Außerdem esse ich gerne Pommes.

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