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Diskurs vs Daten

Ich habe mich dazu jetzt entschlossen Unwörter zu sammeln. Ausgelutschte Worthülsen haben auch in dieser Ecke des Internets ihren Platz. Deshalb errötere ich jetzt anhand den Worten Diskurs und Daten das schlimmste Unwort in unserer Zeit und gebe wertvolle Impulse, wie man beide Worte noch zu einem noch grobschlächtigeren und unwuchtigeren Unwort verbinden kann. Seid gespannt!

 

Photo by Franki Chamaki on Unsplash

 

Daten: Ich komme aus der IT-Landschaft. Daten sind da zwangsläufig überall. Die quälenste Phrase die ich mit diesem Wort verbinde, lautet: „Daten sind der Rohstoff des 21. Jahrhundert.“ Das klingt aufgeräumt, modern und der Wirtschaft zugewandt. Da Daten generell ein Sammelbegriff ist, macht sich der Vergleich da schwer bis fast unmöglich. Um das mal auf ein Beispiel zu bringen: Die Zeichenfolge „x, 103, YOLO, T32“ sind unstrukturierte Daten, komplett sinnfrei und in einer sehr primitiven Form. Hat man aber in einem strukturierten und für Maschinen sehr einfach lesenden Format (z.B. JSON oder XML) den Namen samt Foto, Kredit- und Sozialversicherungsnummer, kann man damit schon etwas anfangen. Halten wir also fest: Nicht alle Daten sind in einer Form, mit der man auch sofort etwas anfangen kann.

 

Diskurs: Vor kurzem kam ich wieder in den Genuss lineares TV zu schauen. Ab 22h wird das Fernsehen köstlich. Sog. Polit-Talkshows huschen über den Screen. Da debattieren Experten zusammen mit fleischgewordenen Beispielen für den Dunning-Kruger-Effekt: Menschen mit wenig Wissen, die das aber selbst nicht wissen, es sich gerne einfach machen und die mediale Aufmerksamkeit genießen. Klingt spaßig, leider nehmen das die Zuschauer nicht als Unterhaltung war. Eine sinnbefreite Debatte wird als Diskurs schön geredet und bedeutungsschwanger glorifiziert.

 

Jetzt sind die Grundlagen erläutert. Diskurse leben von Daten. Daten dienen zur Untermauerung steiler Thesen. Daten sind, wie wir aber festgestellt haben einfach nichts & alles, Schall & Rauch. Zahlen sind die liebste Form von Daten. Zahlen hauchen Objektivität vor. Zahlen bringen aber erst etwas, wenn man sie strukturiert in einen Kontext setzt. Beispiel: Absatzzahlen von Wassereis in kg im Fantasieland: 2018: 10kg, 2019: 6kg, 2020: 2kg. Wir könnten jetzt die Zahlen auf einen Graphen werfen, mit Linien verbinden und würden eine Kurve nach unten sehen. Wir haben also die Daten nun strukturiert.

 

Viele scheitern aber schon an der Strukturierung der Daten. Vielleicht war der Wassereisabsatz 2017 bei 4kg und 2018 mit 10kg daher eine absolute Ausnahme und man hat bewusst oder unbewusst die Daten von 2017 rausgelassen. Es gibt sehr viele Regeln um Daten zu strukturieren, deshalb haben auch viele geisteswissenschaftliche Studiengänge ausgeprägte Einheiten in Statistik.

 

Aber: Selbst wenn wir Daten gründlich strukturiert haben, können wir die nicht einfach in unseren illustren Diskurs einbauen. Man könnte jetzt die These aufstellen, aufgrund der Steuererhöhung für Wassereis der Regierungspartei A von Fantasieland würde der Wassereisabsatz sinken. Das wäre aber nur eine These. Diese These würde auf dem ersten Augenblick Sinn machen, um da aber gründlich vorzugehen, müssten wir diese These noch überprüfen. Das ist sehr aufwendig. Wir müssten z.B. den Querschnitt der Bevölkerung des Fantasielands fragen, warum sie weniger Wassereis essen. Da könnte aber auch herauskommen, dass das Idol des Landes – eine erfolgreiche Musikerin – plötzlich an einer Wassereis Vergiftung gestorben ist. Die Bürger von Fantasieland hatten so ein großes Verlangen nach Wassereis, dass nicht einmal Steuererhöhungen dies stoppen konnte. Aber der tragische Tod der Musikerin aufgrund einer Wassereisvergiftung hat die Bevölkerung zum Umdenken animiert.

 

Das wird jetzt plötzlich absurd. Das ganze Leben ist absurd. Deshalb sind auch diese Diskurse völlig absurd. Daten werden zweckentfremdet um pauschal völlig sinnbefreite Debatten zu führen. Das wird dann noch als Kultur verkauft. Man erzeugt also künstliche Bullshit-Debatten, ist dabei von der eigenen Relevanz überzeugt und trägt den Diskurs in die Welt hinaus wo es im privaten Bereich zu noch abstruseren Debatten kommt.

 

Hä? So entstehen Fakenews!

Gherdì

Ich bin Gherdi und berichte hier über mein bewegtes Leben. Außerdem esse ich gerne Pommes.

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