0

Corona Quarantäne Tagebuch

Ich musste 14 Tage in die Quarantäne, weil ich positiv auf Corona getestet wurde. Wie ich diese 14 Tage verlebt habe, erfahrt ihr hier in meinem subjektiven Tagebuch.

 

Photo by Adam Nieścioruk on Unsplash

 

Tag 1: Ich wache durch einen Anruf meines Hausarztes auf: Corona positiv! Ich kann mir nicht so ganz erklären, wie ich mich infiziert haben soll. Jetzt muss ich erstmal Kontakpersonen der letzten Tage informieren. Ich mache mir Gedanken wie ich 14 Tage Quarantäne alleine verbingen soll. Abends klingelt das Ordnungsamt an der Tür, im Auftrag des Gesunheitsamt teilt es mir nichts Neues mit. Ich verbringe den Rest des Tages niedergeschlagen mit vielen schrottigen Internetvideos.

 

Tag 2: Meine gesundheitlichen Beschwerden, weshalb ich auch erst auf Corona getestet wurde, sind beinahe vorrüber. Gestern hat mich noch der Lieferservice versorgt, heute übernimmt ein Kumpel meine Einkäufe und stellt sie mir vor die Türe. Ich hatte fast nichts mehr im Haus. So ein Testergebnis kann einen sehr unvorbereitet treffen. Es ist auch ein komisches Gefühl, wenn die eigenen Freunde jetzt den Einkauf erledigen und mir Bier hochschleppen.

 

Tag 3: Sonntag. Geweckt wurde ich von einem Anruf des Gesundheitsamt. Löblich, dass die auch sonntags arbeiten. Aber leider rechnet man auch nicht damit und ist nicht wirklich darauf vorbereitet. Fragen nach Symptomen und Co. habe ich auch so noch hinbekommen. Nun habe ich auch erfahren, dass die Quarantäne mit meiner Testung anfängt und nun auch offiziell 14 Tage lang geht. Den Rest des Tages habe ich mich wie an einem ganz normalen Sonntag gefühlt.

 

Tag 4: Nicht darüber nachdenken, wie lange noch! Ich habe mich langsam an die Situation gewöhnt. So richtig akzeptieren will ich diese aber nicht. Wenigstens geht es mir von den Symptomen her viel besser und ich fühle mich nicht mehr krank. Ansonsten verbringe ich den Montag sogar recht produktiv.

 

Tag 5: Irgendwie vergeht die Zeit fast so wie im Flug. Ob es daran liegt, dass ich sehr viel schlafe? Man weiß es nicht! Ich habe die Kraft gefunden, wieder einige Dinge in Angriff zu nehmen. Darunter auch lästigere Aufgaben. Ich habe leider kein Bier mehr und Einkaufen ist de facto unmöglich. Auch kein wirkliches Problem. Ich sehe fast schon die Halbzeit meiner Quarantäne vor mir.

 

 

Tag 6: Heute war der bisher dunkelste Tag! Realisiert, dass noch nicht einmal Halbzeit ist. Alles ist so schrecklich öde und dröge. Ich langweile mich bei allem möglichen: PlayStation, Netflix und Bücher. Ich will auch nichts Vernünftiges machen. Es soll endlich vorbei sein! Inzwischen fühle ich mich gar nicht mehr krank. Ich bin einfach nur isoliert.

 

Tag 7: Irgendwie ist das Bergfest erreicht worden! Richtig glücklich macht mich das aber nicht. Im Gegenteil: Am Morgen bin ich fast durchgedreht. Ich bin fast nur noch wütend. Ich bin eigentlich durchgehend nur noch wütend. Ich will das alles nicht mehr und ich habe mir diesen Hausarrest eigentlich auch nicht verdient. Ich komme mir wie ein Verbrecher vor, der seine Schuld absitzen muss. Dabei habe ich nichts verbrochen. Ich trage lediglich ein Virus in mir. Am Abend bringt mir ein Kumpel einen Kasten Bier vorbei. Die Stimmung hebt sich kurzzeitig.

 

Tag 8: Freitag. Allgemein der Tag, wo ich optimistisch gelaunt bin. Heute kommt der Heizungsableser. Mit Quarantäne natürlich unmöglich. Ich schiebe die selbst abgelesenen Werte auf einem angefressenen Stück Papier unter den Türschlitz hindurch. Ich habe Lust mir heute Sushi zu bestellen und von meinem Bier etwas zu naschen. Ansonsten mache ich mir noch Gedanken über den Sinn einer häuslichen Quarantäne. Funfact: Er wird nicht mehr ganz so hoch gesehen.

 

Tag 9: Ich schaue relativ viel Fußball an den Endgeräten. Normalerweise hasse ich das! Viel ist aber auch nicht zu tun. Ich fühle mich vom Fußball am Screen auch kaum unterhalten. Mir geht es sehr elendig. Das Gefühl „aussetzig“ zu sein durchdringt meine ganze Psyche und projeziert sich auch auf andere Lebensbereiche. Niemand hat so etwas verdient. Schon gar nicht Menschen, die unabsichtlich angesteckt wurden. Warum kann man mich nicht einfach testen? Vielleicht habe ich das Virus ja gar nicht mehr in meinem Körper …

 

Tag 10: Dieser Sonntag war allgemein sehr verstörend. Lustlosigkeit und fehlender Mut begleiteten mich durch den Tag. Lesen, PlayStation spielen oder auch nur Videos glotzen langweilt mich beinahe zu Tode. Warum kann ich nicht früher getestet werden? Ich will zur eigenen Beruhigung etwas Nützliches machen. Es ist aber auch Sonntag. Von der Hoffnung bald wieder raus zu können, verspüre ich absolut nichts!

 

 

Tag 11: Ich versuche mich in den arbeitsreichen Montag zu stürzen, aber es klappt nicht. Noch nie habe ich mich so hoffnungslos gefühlt. Die Aussicht auf das baldige Ende der Quarantäne sorgt für kein Hochgefühl. Im Gegenteil: Da draußen herrscht ja nach wie vor das Virus und nahezu all meine Hobbys sind weiterhin nicht möglich. Das zieht mich weiter runter. Ich habe den größten Teil meiner Vorräte aufgebraucht und muss jetzt mit Nudeln mit Pesto Vorlieb nehmen. Das macht die ganze Situation nicht besser, doch auf ein weiteres Bestellen von Essen habe ich erst recht keine Lust mehr. Das fühlt sich nicht mehr nach etwas Besonderem an, sondern einfach nur noch beschämend, wenn mir andere Menschen Essen vor die Tür stellen müssen. Ich wüsste nicht, was mich aktuell glücklich machen sollte.

 

Tag 12: Heute konnte ich mich dazu aufraffen, Dinge anzugehen. Ich habe mir selbst Denkverbot über die Quarantäne erteilt. Inzwischen ist es leider viel zu normal geworden, die eigene Wohnung nicht mehr zu verlassen. Morgen soll ich angeblich auf Corona getestet werden. Sind es wirklich nur noch zwei weitere Tage? Ich fühle mich leer und bin nicht in freudiger Erwartung meiner kommenden Entlassung. Ich hoffe, ich muss im Zuge von Covid-19 nie wieder in Quarantäne. Ich habe tatsächlich Angst, mich noch einmal anzustecken.

 

Tag 13: Am Morgen kommt das Gesundheitsamt vorbei und testet mich vor meiner Wohnungstüre auf Corona. Ich bin leicht genervt. Ich hoffe, es ist nicht mehr in meinem Körper. Ich muss 24h auf das Testergebnis warten. Ich bin recht zuversichtlich und bin ungewohnt produktiv. Langsam sehe auch ich ein Licht am Ende des Tunnels.

 

Tag 14: Aufgewacht, mich eingeloggt und mein Testergebnis betrachtet: NEGATIV! Den Tag nur noch irgendwie rumbringen. Das Gesundheitsamt ruft noch an und gibt mir offiziell das ‚Okay‘. Ab Mitternacht darf ich raus. Die letzten Stunden ticken. Mitternacht ist erreicht, ich fahre mit der nächsten Bahn zum einzigen noch offenen Supermarkt der Stadt und stoße mit Freunden auf meine Entlassung an.

 

Das war es. Mein subjektives Tagebuch. Ich wünsche allen in Quarantäne nur das Beste!

Gherdì

Ich bin Gherdi und berichte hier über mein bewegtes Leben. Außerdem esse ich gerne Pommes.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.