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Der Begriff ‚Autor‘

Ich habe einen sehr schlechten Roman gelesen. Es war ein über Amazon selbst verlegtes Buch. So eines, welches dann auf Nachfrage (Bestellung) in Polen gedruckt und dann in deinen Briefkasten geworfen wird. Ich werde den Autor hier jetzt nicht öffentlich bloßstellen, allerdings brachte es mich dazu über den Begriff „Autor“ nachzudenken.

 

Photo by Aaron Burden on Unsplash

 

Noch haftet der Berufsbezeichnung „Autor“ etwas Zauberhaftes an. Es ist schick, weil es Kreativität und Intelligenz zugleich suggeriert. Auch kann man sich dann in die illustre Runde bekannter Autoren wie [hier die deiner Meinung nach größten Autor/innen der Welt und Weltgeschichte einfügen] einreihen. Mehr schlecht als recht.

 

Irgendwie will aber gerade jeder einfach alles sein und es war auch noch so einfach wie heute. Man bekommt für jeden Quatsch noch irgendwelche Klicks, solange man die Grundmuster einhält. Wer mir nicht glaubt, darf hier gerne meinen Twitteraccount  (@weltraumschneck) besuchen. Auch das gibt wieder einen Klick. Amazon druckt eben alles ab, was im Ansatz Ähnlichkeiten mit einem „Roman“ aufweist. Welche genaueren Qualitätsvorgaben von selbstgeschriebenen Büchern (falls es überhaupt welche gibt) bei Amazon gelten, will ich auch bald mal im (Selbst-)Experiment austesten. 🙂

 

Zurück zum Autor: Die Fülle an gratis E-Books und White-Papers erschlägt mich. Wer soll das alles lesen und wie viel Mittelmäßigkeit ist da unter die Leute gekommen? Wahrscheinlich 1478 + X.

 

Wozu macht man das? Nur um es zu tun, um dann sagen zu können, dass man es gemacht hat? Altruistische Motive überwinden, um in der Kneipe, in der Konferenz oder in der Tinder-Bio endlich „Autor“ zu sein?

 

Ich bin in der IT-Welt zuhause und kam einmal mit einem in ein Gespräch, welcher zu zu einer neuen, aufkommenden Technologie ein Buch schreiben wollte. Ich war da etwas wortkarg und fragte lediglich „Warum“. Die Antwort (sinngemäß): „Auf dem deutschsprachigen Markt gibt es noch keines darüber, dann müssten alle unser Buch kaufen. Außerdem hätte ich dann endlich mal ein Buch geschrieben!“ Faszinierend.

Gherdì

Ich bin Gherdi und berichte hier über mein bewegtes Leben. Außerdem esse ich gerne Pommes.

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